Brot
Foto: Kai Niggemann (Jenny schreibt mit einem Staubsauger auf einem mit Mehl bedeckten Boden)

Eine ortsspezifische Performance mit jungen Leuten in einer stillgelegten Kriegsbäckerei, Mai 2006, Münster, Germany

Die Speicherstadt wurde 1937-1939 als Heeresverpflegungslager gebaut. In neun Speichern wurde Korn gelagert und täglich bis zu 70.000 Laibe Brot für die in Norddeutschland stationierten Garnisonen gebacken.

Treacle Theater Company (UK/Münster) hat in Zusammenarbeit mit Jugendlichen aus Coerde und dem Theater im Pumpenhaus zu diesem Thema ein Stück erarbeitet, das in einem dieser Kornspeichern stattfindet, und das unsere eigene Geschichte der Speicherstadt erzählt.
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Das komplette Projekt ist als CD-Rom erhältlich. Bitte geben Sie uns bescheid wenn Sie eine Kopie davon möchten.

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Projektleitung: Britta Hollmann und Kaspar Wimberley
Bäckerin: Katharina Wolter
Tanzworkshops: Jolika Maren Sudermann
Sound mit Kai Niggemann
Heilprakterin: Vera Schellenberg
Presse: Christa Farwick

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Kooperationspartner: Theater im Pumpenhaus / Jib / Cactus Junges Theater
Förderung: Kulturamt der Stadt Münster / Amt für Kinder, Jugendliche und Familien / Dahlmann Blumen und Pflanzen / Bäckerei Tollkötter

Weitere Unterstützung: WLV / Stadteilwerkstatt Nord / Bäckerei Cibaria / AWO Jugendtreff / Deutsches Rotes Kreuz Jugendtreff / Bäckerei Söltenfuß / Stadtbäckerei / Haus der Offenen Tür Coerde / Hauptschhule Münster-Coerde / Städtischen Bühnen Münster / Flohmeyers Kaufhaus

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Brot – Ein Theaterexperiment: Einleitung

„Brot – Ein Theaterexperiment“ ist ein Theaterprojekt mit acht Jugendlichen im Alter von 14-16 der Hauptschule Münster-Coerde. Es fand im Mai 2006 im leerstehenden Speicher des alten Militärgeländes in Münster-Coerde statt.

In einer ca. 60-minütigen Theaterperformance erzählten die Jugendlichen anhand von selbst ausgedachten und erarbeiteten Szenen, mit Schauspiel, Musik, Tanz, Sprache und Gesang eine Geschichte über die Entwicklung von der Jugend zum Erwachsenenalter — allegorisch verbunden mit dem Backen von rohen Teig zu Brot, welches am Ende mit dem Publikum geteilt wurde.

Unter der Projekt-Leitung der beiden Regisseure Britta Hollmann und Kaspar Wimberley und mit der Anleitung durch die Honarkräfte Kai Niggemann (musikalische Leitung), Jolika Sudermann (Tanzworkshops), Katharina Wolters (Bäckerin) und Vera Schellenberg (Heilpraktikern) machten die fünf Mädchen und drei Jungs Erfahrungen in Schauspiel, Sprechen, Körpergefühl, Singen und Tanzen — sie lernten aber auch wie man Brot backt.

Alle acht Akteure gehen zu einer Hauptschule in Coerde, einem Stadtteil in Münsters Norden. Für sie alle war es der erste Kontakt zum Theater und Performance, seiner Ästhetik und Darstellungsweise. Die Jugendlichen erfuhren von dem Projekt durch persönliche Ansprache in der Schule oder in Jugendzentren, ihr Interesse war freiwillig. Das Projekt wurde von der Schule stark unterstützt, aber nicht von ihr veranstaltet oder gar als Verpflichtung vorgegeben.

Die Jugendlichen erlebten in der sechswöchigen Probenzeit, wie man im Theater mit Fantasie, Alltagsgegenständen, Geräuschen, Tänzen, Texten und Energie Geschichten erzählen und Stimmungen transportieren kann. Sie erlebten Bestätigung für ihr tun durch die Reaktion des Publikums und der Presse.

Am 10.November waren wir eingeladen eine 5- 10 minütige Zusammenfassung unseres Projekts, sowie eine Brotback-Aktion für den Jugendkulturpreis NRW Festival in Bochum vorzustellen. Für alle Teilnehmer war das eine einmalige Möglichkeit.

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Brot – Ein Theaterexperiment: Programmheft

Die Speicherstadt. 70 000 Laibe Brot, um den Kampf anzuheizen.

Mehl wurde unter den Sohlen der Schuhe heraus geschmuggelt, Brot über den Zaun zu wartenden Verwandten geworfen und ein Schwein unter einen LKW genagelt.

In den vergangenen Wochen haben wir, Kaspar, Britta, Kai, Katharina, Vera und Jolika, zusammen mit Hauptschülern aus Coerde ein Theaterstück für die Speicherstadt entwickelt. Es war eine Zeit der Herausforderung, des Spielens, Experimentierens und des Chaos.

Der heutige Abend ist ein Portrait. Die Zeit dazwischen. In der Schwebe sein. Ob man nun über das offene Meer rudert, an seinem eigenen Grab steht oder nicht einer Meinung mit seinen Eltern ist, es ist ein Versuch weg zu gehen und gleichzeitig dazubleiben. Nichts ist einfach und nicht alles ergibt einen Sinn.

Am 13. April fanden wir Schmetterlingsflügel, die durch ein Loch in der Decke gefallen waren.

Die Helden in Geschichten gewinnen doch immer, oder?

Geh langsam in die Knie, verlagere dein Gewicht auf den linken Fuß und schiebe deine Hüften zur Seite. Laß deinen Körper vorsichtig in einer Spiralbewegung zu Boden gleiten und schenke deinem letzten Atemzug die unendliche Freiheit.

Gutes Brot zu backen, erfordert Zeit, Sorgfalt und Aufmerksamkeit. Es ist ein empfindlicher Prozeß, der etwas Wunderbares hervorbringt. Der Ofen wird auf 200°C vorgeheizt, die Temperatur dann auf 180°C verringert.

Ich warte, bis die Zeit kommt, wenn ich erwachsen bin.
(Nino Jörling)

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Prozess

Brot beginnt mit dem Schauplatz, einem Kriegsbäckerei in Münster die 1936 als eine fast intakte Militärstadt, deren Hauptaufgabe in der Verpflegungsproduktion und logischen Planung für die in Norddeutschland stationierten Garnisonen bestand, gebaut wurde. Neun Kornspeichern produzierten täglich bis zu 70.000 Laiben Brot. Im Zeitraum von fünf Wochen wurden verschiedene Workshops gestaltet. Wir befassten uns mit der Herstellung und der Präsentation von Brot als potentielles Mittel der Kommunikation und dem Theater. Unser Arbeitsmaterial setzte sich aus den Erinnerungen derer, die in den Bäckereien während des Krieges gearbeitet haben, unsere eigenen Erinnerungen oder Verbindungen und anderer Informationen über die Bedeutung von Brot zusammen.

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Projektleitung

Die Workshops wurden von einem Team bestehend aus sechs professionellen Künstlern und Spezialisten aus Münster angeleitet. Projektleitung /Regie : Britta Hollmann und Kaspar Wimberley Bäckerin : Katharina Wolter Tanzworkshops : Jolika Maren Sudermann Soundworkshops: Kai Niggemann Heilprakterin: Vera Schellenberg
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Brotbacken: Katharina Wolter

Katharina Wolter leitete die jungen Leute dazu an, individuelle Brotmasken zu gestalten, mit denen wir später eine Improvisation entwickelten, und die Kunst des Brotbackens erlernten. Für die meisten war der Vorgang des Brotbackens eine völlig neue Erfahrung. Alle zusammen mischten, kneteten, warteten, formten und backten wir, bevor wir das frische Brot aus dem Ofen holten und teilten. Diese Erfahrung vermittelte einen Eindruck von dem natürlichen Entstehungsprozesses der Nahrung die wir zu uns nehmen. Die Bäckerei Cibaria, eine biologische Bäckerei in Münster, versorgte uns mit den Zutaten und dem nötigen Equipment für die Workshops und für die Brötchen, die wir an die Zuschauer verteilten.
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Performance/Theatertraining: Britta Hollmann / Kaspar Wimberley

Die Jugendlichen lernten in verschiedenen Übungen und Improvisationen die physikalische und die metaphorische Natur des Speichers kennen und entwickelte Geschichten und choreographische Ideen. Wir versuchten den Jugendlichen viel Unterstützung entgegenzubringen was ihnen die Möglichkeit gab sich selbst zu entfalten, während eine Struktur von anspruchsvollen Workshops und Erfahrungen verfolgt wurde.
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Korpertraining: Jolika Sudemann

Die Gruppe nahm an bewegungsorientierten Workshops mit Jolika teil, um das Körperbewusstsein, den Gleichgewichtssinn, ein Gefühl für Rhythmus und Raum zu und die Fähigkeit miteinander zu agieren zu entwickeln. Die Gruppe erarbeitete ein kurzes Tanz Motiv was später in der Vorstellung vorkommen könnte. Ihnen wurde freigestellt mit welchen Tanzformen und ungewöhnlicheren Arten des Körperausdrucks sie ihre Ideen, Charakteren und Situationen darstellten.
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Sound Workshop: Kai Niggemann

Die Jugendlichen wurden ermutigt an Hörübungen und Übungen zur Verbesserung der Stimme teilzunehmen, während sie die Akustik des Raumes kennenlernten. Die Übungen beinhalteten das Erzeugen eines Geräusches durch Gebrauch der Stimme und des Körpers, sowie den Gebrauch von Synthesizern, Tonpulten und Mikrophonen, die sie auch während in der Vorstellung benutzten. Das Ziel war eine gewisse Sensibilität gegenüber des Raumes, einander und der Interaktion zwischen Geräusch und Handlung zu entwickeln, indem die Jugendlichen Soundatmosphären schufen, für Szenen die sie erarbeitet hatten.
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Massage Workshop: Vera Schellenberg

Die erholsamsten Tage der Probenzeit! Vera Schellenberg zeigte der Gruppe wie man richtig und sicher eine einfache Massage vornimmt. Jeder probierte die Techniken aneinander aus. Später konnten man als Zuschauer vor Vorstellung sich einer Massage unterziehen.

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