The Sunny Beach Project
Foto: Kaspar Wimberley (Dokumentation, Sunny Beach)

Ein performance lecture, März 2005, Sonnenstrand (Bulgaria) / Wien (Österreich)

Künstler: Esther Pilkington, Daniel Ladnar / Kaspar Wimberley
Kooperation: Schauspielhaus Wien / Terminal Wanderlust
Förderung: European Cultural Foundation

Slantschev Brjag, Sonnenstrand oder auch Sunny Beach genannt an der Bulgarischen Schwarzmeerküste. Erst 1958 errichtet, ist der Sonnenstrand heute das gröste Seebad des Landesund beliebtes Reiseziel vor allem für westeuropaeische Touristen – mit 30,000 Betten in über hundert Hotels.

Was aber bedeutet ein solcher Ort ausserhalb der Saison? Wie verhält man sich im nicht-alltäglich-alltäglichen Ambiente des Tourismus? Daniel Ladnar, Esther Pilkington und Kaspar Wimberley haben sich dorthin auf Spurensuche begeben und den Ort ausserhalb der Saison erkundet. In Abwesenheit der Touristinnen haben sie deren Wege nachvollzogen und die Transformation des Ortes in der Nicht-Saison, das Aufbauen der Kulissen für den wiederkehrenden Tourismus, beobachtet.

Im Winter bleiben die meisten der etwa 30 000 Betten der Hotels am Sonnenstrand leer, nur vereinzelte Hotels bleiben während der Wintermonate geöffnet. Wie wirkt der im Sommer so beliebte und lebhafte Ort im Winter? Hinterlassen die Touristen Spuren? Wie wirkt ein Ort, der eigens für Touristen erschaffen wurde, in Abwesenheit der Touristen?

Wenn man sich auf eine Reise begibt, lässt man immer einen anderen Ort zurück. Das Reiseziel ist Projektionsfläche von Hoffnungen, die sich – vielleicht – am Ausgangsort nicht erfüllen lassen. Eine Reise ist daher auch ein Kommentar zu dem Ort, den man zurücklässt. Der andere Ort, an den man sich begibt, wird ebenso mit dem Ausgangsort wie mit der Idealvorstellung vom Reiseziel verglichen – der Name Sonnenstrand spricht genau dieses Ideal, die touristische Wunschvorstellung, an.

(Text von Daniel Ladnar, 2005)

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Das komplette Projekt ist als CD-Rom erhältlich. Bitte geben Sie uns bescheid wenn Sie eine Kopie davon möchten.

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Weitere Anmerkungen: Der Ort

Der Sonnenstrand bietet eine Vielzahl von historischen und sozialen Anknüpfungspunkten.

Slantschev Brjag interessiert uns als geschichtlicher Ort, an dem Noah die Arche gebaut haben soll, als Ort, der erst 1958 für den Tourismus erschlossen wurde. „Bis 1958 war das Gebiet des heutigen Slantschew Brjag öde und leer“, heißt es in einem 1975 erschienenen Handbuch für Reiseleiter. In einem Merian-Heft des Jahres 1964 wird der Ost-West-Konflikt nur in Form von Andeutungen berührt. Der Sonnenstrand ist da bereits „internationales Bad“: „Die Bulgaren verlieren sich unter Polen, Tschechoslowaken, Ungarn, Russen und Deutschen aus Leipzig und Köln“. Die Schwarzmeerküste interessiert uns wegen ihrer langen Tourismustradition, außerdem als Ort des Exils nicht bloß für Ovid.

Slantschev Brjag interessiert uns als Ort des Übergangs zu einem an den Bedürfnissen der westeuropäischen, insbesondere deutschen Touristen orientierten Seebades; als Ort des Übergangs, während Bulgarien sich auf einen EU-Beitritt vorbereitet. Welche Spuren dieser Transformationen lassen sich finden.

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Weblinks:
European Cultural Foundation

Esther Pilkington und Daniel Ladnar
Weitere Information (Englisch)

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