Homezone – Erlangen – 06.08 – Kritik

,,02 can do!“ – Zuhause ist jetzt überall?!

Alina Bongk, Linda Vogt (Independent ARENA Festival Zeitschrift)

Kaspar hat in seine Homezone geladen. Wir treffen uns um drei Uhr nachmittags und dürfen an einem Tisch Platz nehmen, der eingedeckt ist mit Orangen, Zitronen, Ingwer, Knoblauch, Essig, Muskatnuss … O.K., es geht hier also augenscheinlich um Geruch. Aber was hat das Ganze jetzt bitte mit Kaspars Homezone zu tun? Wir warten gespannt auf seine Erklärung.

Er möchte den Raum, der durch seinen Handyvertrag konstruiert wurde erkunden. Und so kam er nach Erlangen, um gemeinsam in Gruppenarbeit eine nicht sichtbare Grenze zu hinterfragen. Als deren Zentrum ist das Markgrafentheater gesetzt (genaue Angaben zum Radius sind auf der 02 Website aufzurufen). Vor Beginn der Aktion schien das einschneidende Erlebnis EM Halbfinale- wenn man seinen Schilderungen glauben darf, muss die Erlanger Innenstadt zur öffentlichen Toilette umfunktioniert worden sein- einen so prägenden Eindruck bei dem jungen Künstler hinterlassen zu haben, dass geruchstechnische Grenzziehung kurzerhand zum gestalterischen Grundprinzip erhoben wurde.

Soviel zur Idee, schreiten wir nun zur Tat. Vier Gruppchen werden gebildet und mit einem schemen- haften Stadtplan versorgt, in dem ein aufgezeichneter Kreis die Grenze der ARENA-Homezone anzeigt. Wir bewaffnen uns mit Duftspendern und ziehen los. Jede Gruppe hat nun eine individuelle Strecke zu begehen, soll mit den verschiedenen Materialien eine durch- gehende Begrenzungslinie errichten. Nicht zu viele Anweisungen, denn was interessiert, ist die individuelle Erkundung dieses neu definierten Raumes: Was nimmt die Gruppe besonders in- und außerhalb ihrer Homezone wahr? Was spielt sich in den Köpfen der einzelnen Mitglieder ab, wenn sie die Grenzen ziehen, Territorium beanspruchen, die Homezone zu IHREM Grundstück machen?

Nach etwa zwei Stunden treffen wir alle, bereichert durch unterschiedlichste Erfahrungen, wieder zusammen. Aufmerksamkeit haben wohl alle erregt, die Sinne waren geschärft für Grenzproblematiken im öffentlichen Raum. Die Menschen, denen man begegnet werden zum Familienfoto gebeten, sie befinden sich ja in „unserem Zuhause“

Was Kaspar interessiert sind öffentliche Räume. Und Interaktion. Begegnungen von Menschen. Aber auch die Interaktion zwischen Mensch und Raum. Gibt es einen privaten Raum im Öffentlichen? Wie würde sich das auf das Handeln des Einzelnen auswirken? In Stuttgart, seiner Wahl-Homezone, läuft der Künstler viel durch die Straßen, redet mit Leuten, beobachtet seine Umgebung genau. Dabei versteht er sich nicht als Performer, sondern als Künstler, der Interaktion initiiert. Unser Projekt ist sehr aktuell: 02s Konzeptionen von Home-Zonen definiert Raum und Grenzen durch moderne Technologien neu. Die Grenzen von öffentlicher und privater Sphäre verschwimmen.

Jurymitglied Serge Boulier beschreibt Kaspers Arbeit in einer Metapher: Kasper benutzt die Beteiligten als Pinsel, seine Leinwand ist die Stadt.

In der Tat wurde heute etwas geschaffen. Wir haben beobachtet, interagiert, Spuren hinterlassen. Ein sehr anregendes Erlebnis.

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